anderswo

Der wunderbare Garten des Herrn Kamber

13.3.19Ein Schweizer Garten


Mark Kamber legte vor 36 Jahren den Grundstein zu seinem englischen Garten inmitten des Thurgaus und machte es zu seinem Lebenswerk. Von vielen Englandreisen inspiriert, teilte der inzwischen pensionierte Lehrer sein rund 1200m² grosses Grundstück in strukturierte Räume ein.  

Über einen schmalen, buchsgesäumten Kiesweg betrete ich den üppig bepflanzten englischen Garten des Ehepaars Kamber. Ein smaragdgrüner, perfekt gepflegter Rasen, so dicht und weich wie ein Teppich liegt vor mir und ich bin versucht, meine Schuhe auszuziehen.

Herr Kambers Garten ist sein Lebenswerk, seine Passion. Den Werdegang seines Gartens dokumentiert er bereits seit 35 Jahren in schriftlicher und fotografischer Form. Schon beim Hausbau war für den passionierten Pflanzensammler klar, das man einen Garten nicht für Rasen besitzt, sondern für Pflanzen und Gehölze. Eine grössere Rasenfläche findet man deswegen nur auf der Südseite des Hauses, angrenzend an die überdachte Terrasse. Rund ums Haus wurden die Beete üppig bepflanzt und die einzelnen Gartenräume nur durch schmale Rasenwege verbunden. Man merkt sofort, dass Mark Kamber nicht nur ein Gärtner aus Leidenschaft, sondern ein Ästhet mit Sinn für Farben, Proportionen, Strukturen und Formen ist. Der Gartenrundgang ist wie das Beschreiten einer Wunderkammer, man ahnt nie, was als nächstes kommt. Die befestigten Wege, Trockenmauern und Beeteinfassungen aus Sandstein der Gärtner in unzähligen Stunden alle selbstgebaut. Meine Frage über eine automatische Bewässerung für die vielen Beete, beantwortet er mit einem Kopfschütteln. Er sei ja schliesslich pensioniert, setze aber Rasensprenger für die Bewässerung ein. Würde er heute nochmals einen Garten anlegen, würde er dem Klimawandel mit den teils langen Trockenperioden Rechnung tragen und mehr trockenheitsliebende Stauden und Gehölze setzen. Ein Anfang ist auf der Westseite des Hauses gemacht.


Angrenzend an den Hauptgarten liegt ruhig und klar der Teich im Schatten der Bäume.
Von der nahegelegenen Hauptverkehrsstrasse hört man nichts, denn lautes Vogelgezwitscher und das Plätschern des Wasserspiels nehmen den ganzen Raum ein.

Der Gartenbereich auf der Ost- und Westseite des Hauses liegt im abschüssigen Gelände, das Haus ist im Split-Level der Hanglage angepasst. Auf der Ostseite leuchten mir schon von weitem die betörenden Farben der Rhododendren und Azaleen entgegen. 
Die neueste Azalee in hellem Rosa ist erst einen Tag zuvor im steil abschüssigen Gelände eingezogen. 
Heute würde Herr Kamber keine Moorbeetgärten mehr anlegen. 
Vor Jahren geriet der gesamte Bestand durch einen eingeschleppten Pilz in Gefahr, der sich rasend schnell vermehrte. Statt wie vom Experten empfohlen alles zu roden, haben er und seine Frau viel Zeit und Geld investiert um den Moorbeetgarten monatlich mit einem Stärkungsmittel zu giessen, und das über mehrere Jahre lang über die gesamte Wachstumsphase hindurch. 
Die Ausdauer zeigte Erfolg und heute bietet der Moorbeetgarten wieder ein prächtiges Bild. 

Die grossen Gehölze und Formschnitthecken aus Eibe und Buchs geben dem Garten seinen Rahmen.
Die beiden imposanten Pyramideneichen inmitten des Moorbeetgartens begeistern mit ihrem schmalen, mehrstämmigen Habitus inmitten der intensiven Farben der Rhododendren. 
  
Der Rundgang führt weiter durch den westlichen Gartenteil mit sandsteingefasstem Steingarten, wo sich Thymianpolster und Gräser ausbreiten und schliesslich hinauf zum buchsgesäumten Vorgarten, der üppig mit Stauden bepflanzt ist. 

 Die Strauchpfingstrose inmitten des Beetes ist ein wahres Prachtstück. 
"Wenn Sie nächstes Jahr wiederkommen, wird das neue Projekt fertig sein, und dann habe ich schon wieder Ideen, um anderswo weiterzumachen" meint der 81-jährige Herr Kamber bei der Verabschiedung und ein verschmitztes Lächeln huscht über sein Gesicht. Noch benötigt er nach seinen Operationen Krücken, aber gedanklich sind bereits ganze Beete umgestaltet und weitere Elemente hinzugefügt. Ich glaube es ihm ohne Zweifel - wer einmal dem Gartenvirus verfallen ist, den lässt er nicht mehr los.



Mark Kamber wurde für den Bodenseegärten-Preis 2019, nominiert. 


Der Bodenseegärten-Preis würdigt grünes Schaffen. Er wird seit 2017 jährlich vergeben.


BODENSEEGÄRTEN-PREIS IN 2 KATEGORIEN 


Kategorie 1: Historische oder zeitgenössische Parks und Gärten
Unterkategorie zu Kat. 1
-        Vorbildliche Erhaltung und Pflege historisch wertvoller Gärten und Parkanlagen
-        Innovatives Konzept oder Design eines zeitgenössischen Parks oder Gartens

Kategorie 2: Umweltbewusstes Gärtnern und/oder herausragende Initiative/Persönlichkeit rund ums Thema Gärten
Unterkategorie zu Kat. 2
-        Herausragende, qualitativ hochwertige Projekte rund ums umweltbewusste Gärtnern
-        Herausragende Initiative/Persönlichkeit rund ums Thema Gärten bis hin zu „innovativen Nutzungskonzepten von Gärten“

Logo

Verein Bodenseegärten
Schloss Arenenberg
8268 Salenstein
Tel. +41 (0)79 430 45 17
Lange Nacht und Blütenzauber der Bodenseegärten: 31. Mai bis 2. Juni 2019 www.bodenseegaerten.eu/langenacht

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3 Kommentare

  1. Ein toller Garten. ❤lichen Dank fürs Vorstellen. Es ist doch immer sehr inspirierend, über die Gartenzäune zu blicken...

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  2. Was für ein Traumgarten, liebe Carmen!
    Ich liebe es - in andere Garten zu schauen.
    Leider hat man im echten Leben zu wenig Zeit für :-)
    Ganz viele liebe Grüße von Urte

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  3. Wow, da hat Herr Kamber wirklich ein kleines Stückchen England in die Schweiz gepflanzt. Ganz grosses Kino. Der Garten ist ein Traum. Wenn der Brexit durch ist, könnten wir Schweizer uns ja mit den Engländer zusammen tun und den SwissBri gründen... okay, klingt ein bisschen nach Käse, aber der schmeckt bestimmt auch zu Tee, den man in so einem tollen Garten, wie dem von Herrn Kamber geniessen könnte... Habe eine gute Woche, liebe Carmen

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