Flur Interior

hurra,hurra, die neue Garderobe ist da und wo der Durchschnittseuropäer seine 10'000 Dinge verstaut

2.12.16Ein Schweizer Garten

Mit Ende 17 bin ich mitten in der Ausbildung mit meinem heutigen Mann in eine kleine Wohnung gezogen. Seither führe ich einen eigenen Haushalt und habe früh gelernt mit wenig Geld zu haushalten, Ordnung zu halten, saisongerecht und frisch zu Kochen und  mich zu organisieren. Die wichtigste Erkenntnis aber war, dass ein Zuhause eine Grundordnung braucht um sich wohlzufühlen und den Alltag zu vereinfachen. Das war in unserer ersten, sehr kleinen Einraumwohnung wesentlich schwieriger als im grossen Haus. 

Für alle Wohnsituationen gilt aber derselbe Grundsatz: 

"Jedes Ding braucht seinen festen Platz, 
damit dauerhaft Ordnung halten leichter wird."
 
Wer über wenig Platz oder Stauraum verfügt, muss entweder weniger besitzen 
oder eine Lösung finden, damit der Besitz nicht zur Last wird. 

Im Herbst ist meine 85-jährige Lieblingstante gestorben. Eine wirklich tolle Frau, aber auch eine leidenschaftliche Sammlerin und Besucherin von Brockenstuben und Flohmärkten. Als wir die Wohnung räumten, zeigte sich erst das ganze Ausmass ihrer Sammelleidenschaft und ich erschrak zutiefst darüber, wieviele Dinge ein einzelner Mensch besitzen kann. 

Der Durchschnitteropäer soll 10'000 Dinge besitzen, 
diese Dreizimmerwohnung beinhaltete ein Vielfaches davon. 

Ich fand alleine sechs Kommoden voller Modeschmuck im Schlafzimmer vor, überall standen kleine Kommödchen, Tischchen und Regale, zig Kleiderschränke, die ob der Last fast auseinanderbrachen und eine unbenutzbare Badewanne, vollgestopft mit Kleinkram. Ich sortierte an die dreissig verschiedene Schampoo's und ebensoviele Duschmittel aus, 28 Gesichtscremen in drei Varianten und alles an unterschiedlichen Orten untergebracht. Ich erkannte ohne zu verurteilen, dass meiner Tante ihr Besitz zur Last wurde und sie vergessen hat, was sie bereits besass und deshalb alles wieder neu dazugekauft hat.  Wenn man eine vollgestopfte Schublade kaum mehr schliessen kann, braucht man kein neues Möbel. Vielmehr leert man die gesamte Schublade aus und räumt nur noch das ein, was regelmässig in Gebrauch ist. Den Rest kannst du fortwerfen.

Ich ging emotional erschöpft nach Hause und begann meine Schränke zu kontrollieren. Jedes Loslassen erzeugt ein befreiendes Gefühl. Es schafft Raum und Klarheit für neue Projekte und Ideen. Keinesfalls darf man den Dingen nachtrauern, auch wenn man vielleicht genau "dieses Eine" exakt zwei Wochen nach dem wegwerfen wieder brauchen könnte, obwohl man es die letzten 5 Jahre auf dem Dachboden vergessen hat. 

Ausmisten ist ein kräfteraubender Prozess, 
für den im Alltag oft zuwenig Zeit und Energie bleibt - ABER...

Unordung ist ein noch grösserer Energiefresser


Obwohl unsere alte, preiswerte Garderobe die ersten Jahre ihren Zweck vollständig erfüllte, benötigten wir doch dringend mehr Stauraum. Am Ende des Flurs befindet sich die Waschküche und da wir ohne Keller gebaut haben, ist hier die gesamte Haustechnik, die Heizung sowie der Boiler untergebracht.

Schon bevor der Waschtag jeweils begonnen hat, hatte ich die Nase bereits voll, denn ich musste mich oft durch ein Gewühl an Turntaschen, Stiefeln und Arbeitskleidern kämpfen, bis ich zur Waschmaschine mit den grossen Wäschebergen vordringen konnte.
Wir brauchten dringend mehr Platz um die ganzen Jacken, Regenhosen, Mützen, Handschuhe, Schulthek, Turntaschen, Hundeleinen, Fahrrad-, Reit- und Motorradhelme einer vierköpfigen Familie zu verstauen. 
Ich liess mich auf Pinterest inspirieren, habe den Raum vermessen und einen Entwurf gezeichnet, den ich für meine Familie 3D am PC visualisierte. Kurze Zeit später haben Scherrer & Gerber unsere neuen Einbauschränke produziert und eingebaut.
 
Und so sah der Flur vorher aus - links die Hutablage mit Sitzbank (fehlt hier im Bild bereits)
Durch die Einbauschränke ist der Flur zwar schmaler geworden, der übergrosse Spiegel 
erzeugt aber eine Tiefenwirkung und vergrössert ihn optisch wieder.  


Vorher - 
die Schuhschränke aus 40cm tiefen IKEA-Faktum-Küchenmöbeln, 
Oberschränke (BESTA, 20cm tief) mit Wechselrahmentüren.
Nachher : links und rechts der Haustüre befinden sich nun raumhohe Einbauschränke,
In die Spiegelnische kann man sich hinsetzen und bequem die Schuhe anziehen.
Bei unserem derzeitigen Wetter sind die Hundespaziergänge eine wahre Freude
aber ab sofort komme ich noch viel lieber als sonst nach Hause!


Weitere Stauraum- und Aufräumideen findet ihr hier:

Unser Bastelraum - Platz für die kleinen Dinge
Simplify your Life - Ausmisten räumt die Seele auf

In der Serie "Wohnen mit Kindern" hat Natalie von schaeresteipapier
viele tolle Tipps zusammengestellt:

Immer zu Neujahr wird bei uns nach dem Aufräumen geräuchert:
Sendet mir bitte passende Tipps und Tricks, gerne auch Links per Mail zu, wie ihr euch organisiert habt oder andere lesenswerte Artikel zum Thema, ich werde es gerne hier verlinken!
Also hopp, hopp an die Schränke - sucht euch für den Anfang 20 Dinge raus die ihr nicht mehr braucht -  es gibt viele bedürftige Menschen, die es euch gerne abnehmen!

  Herzliche Grüsse
 Carmen


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19 Kommentare

  1. Den Raum zu umbauen finde ich sehr gut, so weit der Platz natürlich vorhanden ist.
    Aber denke mal an den Schlager wo es heitß ... " es reist sich besser mit leichtem Gepäck.
    Da ich zu Zeit krank bin, versuche ich deshalb wenn ich Lust habe auszumisten.
    Viele Grüße in die Schweiz, Fotorike

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  2. Liebe Carmen absolut grandios! Perfekt von dir geplant und wundervoll umgesetzt. Besonders gut gefällt mir die Spiegelsitznische. Da ich ein einem amerikanischen Haus wohne, bin ich absolut großzügig mit Stauraum ausgestattet: Wandschränke und nochmal Wandschränke. Man glaubt gar nicht, wieviel da rein passt. Manchmal leider auch zu viel und dann kommt das Ausmisten zu kurz ;-).

    Ganz liebe Grüße
    Ines

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  3. Liebe Carmen, eure neue Gaderobe ist super schön geworden. Freundlich, hell, modern, schlicht und edel, wie ich finde. Gefällt mir sehr.
    Viele Grüsse Christine

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  4. Liebe Carmen,

    gestern habe ich meinem Mann eure tolle, alte Garderobe als Idee für unser baldiges, neues, altes Haus gezeigt und jetzt das - noch schöner und effektiver. Den Eingangsbereich zu gestalten, ist schon eine Herausforderung. Bei uns ist es ein Schlauch... Mal sehen, ob es auch so hübsch wie bei euch wird.
    Ausmisten steht bei uns auch immer ziemlich weit oben auf der Liste, so dass wir jetzt so kurz vor dem Umzug, gar nicht ausmisten müssen - wie schön!
    Vielen Dank für deine inspirierenden Beiträge, die mir im Kopf bleiben (Vorweihnachtszeit des letzten Jahres zum Beispiel)! Weiter so, Lea.

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  5. Was für ein Ergebnis! Ich freue mich mit euch.

    Ich würde mich sehr über Tipps zur Organisation des Familienalltages freuen - als junge Mutter fällt mir das immer noch schwer...

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  6. Liebe Carmen,
    das ist wunderschön geworden ! Allein die Idee ist schon so toll. Durch den Spiegel wirkt der Flur so groß und durch die schlicht weißen Fronten schön klar.

    Ich miste auch regelmäßig aus, seit inzwischen drei Jahren. Und ich bin noch nicht fertig, aber schon ganz gut zufrieden. Meine ursprünglichen Pläne fürs Dachgeschoss sahen noch einen begehbaren Kleiderschrank unter der Schrägen vor. Inzwischen habe ich so viel aussortiert und weggegeben, dass ich nur noch ein paar niedrigen Drempelschränke brauche. Die werden in Kürze gebaut. Ich werde so viel mehr Raum und Luft haben.

    Es ist so befreiend, nicht mehr so wahnsinnig viele Dinge zu haben.

    Liebe Grüße
    Birgit

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  7. Traumschön ist sie geworden Eure neue Garderobe.
    Was Du über Deine verstorbene Tante geschrieben hast - erschreckend. Es gibt so viele Menschen, die horten und horten.
    herzlich Margot

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  8. Liebe Carmen

    Erstmal ein riesen Kompliment an deine/eure neue Garderobe! Sie ist wunderschön! Leider ist unser Eingangsbereich viel zu klein… sonst hätte ich die Pläne gerade weiter an meinen Mann geleitet ;)

    Vor ein paar Monaten stiess ich auf das Buch „magic cleaning“ von Marie Kondo. Ich habe das Buch gelesen und danach „meinen“ Teil rigoros Ausgemistet. Es fühlte sich sehr befreiend an. Nur irgendwie blieb die Ordnung doch nicht so wie erhofft, oder ich habe doch zu wenig ausgemistet?!… Da wir fünf Personen sind und die Kinder eher noch klein (3,6,9j) ist es einfach schwierig immer Ordnung zu halten. Gerade gestern sah ich mir ein Kurz Video an über „Zero Waste“ by Bea Johnson. Unglaublich wie organisiert diese Frau ist und wie wenig sie und ihre Familie brauchen! Ich muss doch nochmals ausmisten;)… nach dem ich heute unser Haus, so gut es ging, aufgeräumt, geputzt und gelüftet hatte, fühlte ich mich schon fast wie magic cleaning und Zero Wast (*hüstelhüstel*)… Und jetzt lese ich noch deine Post! musste gerade ziemlich schmunzeln und kann gerade so mitfühlen! Deshalb hatte ich gerade das Bedürfnis zu schreiben, obwohl ich sonst eine stiller fan von deine Blog bin.

    Herzlichste Grüsse aus dem Baselbiet. Mirka

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    1. Hallo Mirka
      Das Buch von Marie Kondo habe ich auch gelesen und es extra nicjt bei den Links aufgelistet, denn was die Frau da schildert hört sich für mich sehr weltfremd an. Die Frau hat nämlich keine Ahnung wie das ist, wenn man eine Familie hat, die einen ständig beim Ausmisten und Aufräumen "boykottieren" indem sie wieder neue Zeichnungen und Selbstgebasteltes, schöne Steine, Holz oder andere Gegenstände nach Hause bringen und wie hilflos man ist, wenn man nach Weihnachten sieht, selche neuen Spielsachen und Gebrauchsgegenstände den Haushalt bereichern. Das Video von Zero Wast werde ich mir gleich anschauen! Lg Carmen

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  9. Viel Stauraum geschaffen und dies optisch sehr schön gelöst. Chapeau und Kompliment.
    LG Karin

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  10. Das sieht wunderschön aus! Ich mag das sehr, wenn Gebrauchsmöbel quasi im Raum verschwinden, obwohl sie doch solche Platzwunder sind! Super gelungen, Carmen!

    Lieben Gruß
    Lisa

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  11. Liebe Carmen,

    Du hast mir mal wieder total aus dem Herzen gesprochen (ausmisten). Es befreit wirklich sich von Dingen zu trennen und immer "wenn es mich überkommt", dann nutze ich so einen "Anfall" auch. ;-) Eine Freundin von mir ist der Meinung dass ich schon fast nichts mehr besitzen dürfte... Leider ist dem nicht so und es zeigt wie viele sinnlose Dinge man doch anhäuft.
    Ähem, Tipp in der Weihnachtszeit... Vor dem Kaufen 3x überlegen: Brauche ich das wirklich? Bzw. braucht der Beschenkte die Dinge wirklich!?
    Die Garderobe ist wunderschön geworden und - wie alles bei euch - super praktisch!

    Liebe Grüße,
    Simone G. aus B. / Ger.

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  12. Oh holla! Das ist ja gerade mein Thema! Ich baue zwar nicht um, aber ich bin am Ausmisten und ich finde das ganz schön schwierig, schwieriger als ich dachte. Ich drehe die Dinge hin und her, stell sie wieder zurück, denn ich könnte gerade das Teil wieder mal brauchen. Aber brauche ich wirklich drei Mörser? Beileibe nicht....Und um die Ecke hat ein Rote-Kreuz-Laden aufgemacht, da werde ich jetzt Einiges hintragen....Toller Post von Dir und ich sag: Dankeschön. Lieben Gruß von Cosmee, Euer Flur sieht phänomenal aus mit dem Umbau von Schreinermeisters

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  13. Hallo Carmen,
    Schön gelöst ist Eurer Eingang.
    Es lebt sich bestimmt leichter mit wenig Gepäck.
    Doch ich kann auch nachvollziehen, wie gerne man liebe Geschenke , Bilder und Bastelarbeiten von Kindern und Enkeln hat und nicht einfach wegwerfen kann.
    Und die freuen sich, wenn sie es im Haus entdecken.
    Meine Eltern erleben ein neuanfang mit Nichts und da wurde alles aufbewahrt.
    Ich erbte von Großeltern und Elten so viele schöne Dinge und persönliche Erinnerungen. Da ist unser großes Haus auch ein Schatz an Erinnerungen. Allerdings verteile ich auch schon vieles in der Familie und frage erst dort nach.
    Jetzt im Alter passe ich schon auf, aber es fällt immer schwerer wegzwerfen.
    Meine Eltern erleben ein neuanfang mit Nichts und da wurde alls aufbewahrt.
    dennoch liebe ich mein noch kleines Sammelsurim.
    Grüße von Frauke

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  14. Super - Genial und einfach schön!
    Der Raum sieht so groß aus mit dem Spiegel!
    Wow :-))
    Viele Grüße von Renate

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  15. Sieht das toll aus! Unsere Garderobe lässt noch sehr zu wünschen übrigen...aktuell werden die Jacken der Gäste einfach über einen Stuhl geschmissen :-)

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  16. Liebe Carmen,
    sehr viel Wahres in deinem Post heute!
    Obwohl ich selber eher dem Typ "Sammlerin" angehöre, habe ich mit den Jahren gelernt und weiß heute: Wenn man nichts mehr einfach wegräumen, oder irgendwo ohne Umschichten raus holen kann, dann muss was raus. Fällt mir jedes Mal furchbar schwer, aber wenn dann alles nicht mehr so vollgeräumt ist, fühlt sich das ganze Leben leichter an.
    Allerdings so ganz ohne "nutzlosen" Krempel (wie in dem Buch "Magic Cleaning") möchte ich nicht sein. Und so stimme ich deiner Aussage voll und ganz zu: Jedes Teil muss seinen fixen Platz haben.

    Du hast mit deiner Garderobe tollen Stauraum geschaffen - und es sieht auch noch super aus!

    Liebe Grüße
    Hilda

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  17. Liebe Carmen,
    was für ein Artikel!
    Habe gerade meinen Blog einem "Cleaning" unterzogen und dachte nun fertig zu sein, aber nach diesen Zeilen geht es jetzt erst richtig los!:)
    Liebe Grüße
    Dani

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  18. Hallo Carmen,
    Wooow wie cool, das gefällt mir ja mal richtig gut!! Sieht toll aus mit dem Spiegel und der Deko - und dieser Stauraum ist natürlich ein Träumchen! Ich habe leider auch immer zu viel Kram im Flurbereich...von Schuhen über Mützen, Schals, Schirmen und natürlich Jacken sammelt sich irgendwie immer alles in doppelter und fünfacher Ausführung an und sieht dann schnell chaotisch aus, wenn man es nicht täglich ordentlich drapiert. Toll gelöst bei euch!

    Liebe Grüße,
    Corinna
    www.kissenundkarma.de

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